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Kommentar zu Posting über Google Glass bei androider

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Google Glass Prototyp

Google Glass Prototyp

Ich bin sehr gespannt auf Google Glass. Das hatte ich bereits in zahlreichen Postings schon erwähnt. Dabei habe ich mich auch schon mit einigen Sicherheitsbedenken auseinandergesetzt. Vieles, was aktuell beschrieben wurde, beruht hingegen auf falschen Tatsachen oder sind gelenkt von eigenen Befürchtungen, die gar nicht oder nur teilweise berechtigt sind. Ich bin wieder über einen Blogpost gestolpert, der nicht falsch ist und auch gute Ansätze hat, einige Befürchtungen allerdings gewagt sind, bzw. die ich etwas anders sehe.

Gleich vorweg, ich schätze die Kollegen androider sehr, daran besteht kein Zweifel. Ich antworte auf einen Artikel von Jojo, der heute bei androider einen Artikel über Google Glass veröffentlicht hat[1]. Um darauf in einem Kommentar und dem Post zu antworten, war mir das dann doch zu viel Text und Inhalt. Ich möchte nachfolgend den von Jojo veröffentlichten Artikel nicht schlecht machen, sondern einige Anmerkungen setzen und diese etwas weiter ausführen, als es in einem Kommentar unter seinem Artikel angebracht wäre.

„Eine Bar in Seattle hat die Unsicherheiten bereits für einen kleinen PR-Stunt genutzt und Google Glass öffenlichkeitswirksam verboten. „

Vollkommen richtig. Es handelte sich um eine Bar, deren Besitzer einen unfassbar guten Einschlag in der Techszene hinbekommen hatte. Und das mit nur einem einzigen Posting, das sich in kürzester Zeit durch die sozialen Netzwerke und Blogs bewegte[2][3]. Doch daran war leider gar nichts dran. Es war nur PR. Nicht mehr, nicht weniger. Im weiteren Verlauf der Diskussion hat man (es ist übrigens das „The 5 Point Cafe“) dazu folgendes geschrieben:

“A few comments from us: this was a mostly humorous facebook post and nothing more. Get a sense of humor. Second, we don’t allow any photographer or videotaping in the 5 Point without our permission and will kick someone out for doing so if we catch them. Third, no we aren’t worried about losing google glass wearing rich peoples’ business. At all. And if you’re not a 5 Point regular do some research and read the story about Tom Lykis at The 5 Point and you’ll get the ass kicking joke. Last, get a sense of humor. Oh, and fuck off!”

“[…]andere haben Angst vor der totalen Überwachung.“

Die totale Überwachung wird mit einem Gerät wie Google Glass sicherlich so schnell nicht stattfinden. Dazu müsste auch jeder die Videofunktion dauerhaft nutzen und dieses Material müsste zudem auch auf Server geschickt werden. Die Realität wird dabei sicherlich ganz anders aussehen.

Bereits heute ist es ja durchaus möglich mit dem Smartphone unbemerkt ein Video zu drehen. Übrigens, unsere Gesetzgebung verbietet es nicht, wenn im öffentlichen Raum gefilmt wird. Wenn ich das möchte, kann ich alles und jeden Filmen, der mir so vor die Linse kommt.

„Auf der anderen Seiten würde es mir wenig gefallen, nicht zu wissen, ob mein Gegenüber mich grade aufnimmt. Das gilt nicht nur für Videoaufnahmen, sondern insbesondere auch für Audio-Aufnahmen.“

Dieses „Problem“ ist doch nicht erst seit Google Glass vorhanden. Jedes Smartphone bietet von Haus aus eine Aufnahmefunktion, mit der Tonaufnahmen angefertigt werden. Dies geschieht ebenfalls sehr schnell. Mein Gegenüber wird dies nur im seltensten Falle merken. Auch hier hat der Gesetzgeber seit langer Zeit einen Paragrafen. § 201 Strafgesetzbuch (StGB) verbietet es, ohne Zustimmung die Vertraulichkeit des Wortes zu verletzen. Das kann bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe geben. Dabei ist bereits der Versuch strafbar. Dabei gibt es aber auch Ausnahmen, die ebenfalls in §201 StGB geregelt sind.

„Viele sind gegen staatliche Überwachung, mit Google Glass “könnte” es aber eine Überwachung in bisher nicht geahntem Ausmaß geben.“

Dazu müsste der Staat, bzw. von ihm eingesetzte Behörden auf das Material uneingeschränkt zugreifen können. Überwachung in „bisher nicht geahntem Ausmaß“ hingegen sieht etwas anders aus[4].

„per Suche mein Facebook-Profil und damit neben meinem Namen viele Informationen über mich erlangen könnte?“

Wer ist darüber verwundert, dass öffentlich zugängliche Daten auch abgerufen werden?

„In 10 Jahren kann sich hinter jedem Knopf ein in das Internet sendende Kamera befinden.“

Das gibt es bereits seit Jahren zu kaufen und wird auch großzügig eingesetzt. Allerdings ist es hierzulande immer noch nicht das Thema, obwohl die Möglichkeiten seit Jahren da sind und auch nicht mehr viel kosten.

„Google Glass-Träger sind zumindest noch relativ leicht zu erkennen.“

Vollkommen richtig. Und, wie es so aussieht, werden Sprachbefehle notwendig sein, um ein Foto zu machen, oder ein Video aufnehmen. Gezeigt wurde ausschließlich in einem früheren Entwicklungsstadium, dass beides auch mit einer Berührung eines kleinen Touchfeldes an der Außenseite von Google Glass aufgenommen werden konnten. In allen neueren Videos wurde dies nicht mehr gezeigt. Fraglich bleibt vorerst, ob Google komplett auf eine Sprachsteuerung setzen wird, oder auch eine lautlose Alternative durch die Berührung des Touchfeldes möglich sein wird.

„Früher oder später springt sicherlich auch ein deutscher Politiker an und fährt mit der Presse seinen eigenen Google Glass PR-Stunt.“

Jojo, da gebe ich dir vollkommen Recht. Da wird noch einiges von Seiten der Politik kommen. Gespannt bin ich an dieser Stelle bereits mit welchen abstrusen Begründungen Google Glass abzulehnen ist.

„Deutschland hat allerdings schon heute ein theoretisch relativ restriktives “Recht am eigenen Bild“.“

Ebenfalls vollkommen richtig. Die nötigen Gesetze existieren und werden auch umgesetzt. Google Glass wird nicht dafür sorgen, dass plötzlich jeder, der sich im öffentlichen Raum bewegt, sofort erfasst und online gestellt wird.

„Ich bin mir auch sicher, dass man keine Angst haben muss.“

Danke, da sind wir schon zu zweit. Es muss einfach abgewogen werden, wie hoch der Nutzen und der Schaden (in welcher Form auch immer) sein wird. Letztendlich wird Ersteres deutlich höher ausfallen, als letzteres.

In einem kürzlich veröffentlichten Interview bei Spektrum wurde Thad Starner befragt, der bereits seit 20 Jahren mit Computern am Körper experimentiert[5]. Darin antwortet er beispielsweise auf die Frage, ob ein Gerät wie Google Glass nicht den Gesprächspartner irritieren würde, dass es wertvolle Informationen sofort liefert. Zum Beispiel, mit wem man gesprochen hat, was beim letzten Gespräch mit der gleichen Person besprochen wurde und vieles mehr.

Außerdem bestätigt Starner als Tester von Google Glass meiner Vermutung, dass zum Erstellen eines Fotos zwangläufig ein Sprachbefehl benutzt werden muss. Nichts also mit einem heimlichen Bildchen, wenn man mit seinem Gegenüber spricht.

Auch führt Starner recht gut auf, wie ein System wie Google Glass uns dazu bringen aufmerksamer zu werden. In dem Fall, dass man sich in einem Gespräch mit einer anderen Person befindet und in Google Glass Notizen erstellt, aufmerksamer zuhört und mehr auf den Inhalt des gesprochenen Wortes achtet. Er veranschaulicht dies mit Beispielen aus Schule und Uni, wo es zur gängigen Praxis gehört sich Notizen zu machen, während des Unterrichts bzw. Vorlesung.

Letztendlich müssen wir abwarten, bis genaue Daten und der Funktionsumfang von Google Glass und den danach bald erscheinenden Konkurrenten vorliegen. Erst dann wird besser einzuschätzen sein, ob diese Geräte tatsächlich einen Mehrwert bieten, oder schnell wieder in der Versenkung verschwinden und die Bedenkenträger keinen weiteren Grund haben, gegen dieses neue Gerätekategorie vorzugehen.

Die Schreihälse, die sich immer wieder melden und den Untergang der Welt durch Google Glass und Konsorten heraufbeschwören, kommen allerdings um mehrere Jahre zu spät. Sie hätten das Smartphone, oder super kompakte digitale Knipse verhindern müssen, mit der unbemerkt und deutlich einfacher Fotos und Videos von anderen Menschen gemacht werden können. Dazu habe ich mich bereits ausführlich in einem anderen Artikel geäußert[6].

Quellen und Verweise

Nachfolgend findet ihr alle für den Artikel relevanten Quellen und sonstige Verweise, Bildquellen und thematisch zum Artikel passende Verweise zu anderen Artikeln und Seiten.

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Quellen und Verweise

Autor: Jens Lehmann

Hallo, ich bin Jens und der Gründer des Freizeichens und betreibe das Blog bereits seit 2010. Ich habe eine Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen und seit 2009 bin ich Student der technischen Redaktion und seit 2011 des Informationsmanagement an der Hochschule Hannover. Ihr könnt mich auch bei Twitter, Google+ und Facebook finden.

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