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EU-Forschungsprojekt INDECT

INDECT: Digital brutal – Wie die EU seine Bürger kriminalisieren und lückenlos überwachen will

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Wenn Technik nicht mehr für den Menschen gedacht ist und das Verhalten von Menschen ins Negative ändert, dann sollte spätestens dann die Bremse gezogen werden. Die EU, besser gesagt ein EU-Forschungsprojekt namens INDECT hat den Bremsvorgang gar nicht eingeleitet, sondern rauscht in voller Fahrt weiter. Die Folgen sind noch gar nicht absehbar. Wer in den Augen von INDECT abnorm ist, dürfte im öffentlichen Raum schnell die Macht des jeweiligen Staatsapparates zu spüren bekommen.

INDECT ist eine Abkürzung für „Intelligent information system supporting observation, searching and detection for security of citizens in urban enviroment“ (auf deutsch: Intelligentes Informationssystem zur Unterstützung von Überwachung, Suche und Erfassung für die Sicherheit von Bürgern in städtischer Umgebung). In diesem Forschungsprojekt, das fünf Jahre bis 2014 laufen soll, wird erforscht, wie durch intelligente Sicherheitssysteme der öffentliche Raum besser und effektiver geschützt werden kann. Dabei setzt man auf Altbewährtes. Nämlich eine umfassende Videoüberwachung des öffentlichen Raumes. Dass dies eben kein Garant ist für Sicherheit zeigt u.a. London. Eine der gefährlichsten Städte Europas, obwohl nahezu jeder Winkel in der Stadt mit Kameras zugestellt ist.

Mittlerweile gehören Kameras in deutschen Städten auch zum normalen Stadtbild und werden kaum noch wahrgenommen. Sie sollen Sicherheit bringen, versagen aber, da Kameras niemanden vor Straftaten schützen, sondern nur stumme Zeugen sind. Und wenn eine Platz in einer Innenstadt durch Videoüberwachung sicherer geworden ist, so hat die Videoüberwachung allerdings die Kriminalität nicht beseitigt, sondern diese nur verlagert.

Doch wo die reguläre Videoüberwachung aufhört, geht INDECT mehrere Schritte weiter. Denn bereits bei einem abnormalen Verhalten setzt sich förmlich eine Maschinerie ungekannten Ausmaßes in Gang. Die abnormal handelnde Person wird mit der nächstliegenden Kamera erfasst (dazu reicht schon ein Viertel des Gesichts) und mit einer Datenbank abgeglichen. Dabei bleibt es nicht. Es werden zusätzlich noch nach Personendaten aus sozialen Netzwerken (Facebook, Xing, Google+ usw.) gesucht. Und, als ob das nicht schon reichen würde werden auch Mobilfunk-Ortungsdaten mit einbezogen. Wenn die Rechner abgleichen und suchen, wer der Abnormale denn ist, kümmern sich Drohnen, die selbstständig agieren können um die weitere Verfolgung.

Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, doch dies wird bereits seit 2009 erforscht. Klar, durch Gelder derer, die dann im Idealfall (aus Sicht der EU) permanent überwacht werden.

Fraglich ist auch der Begriff des „abnormen Verhaltens“. Wer definiert es? Ist abnormales Verhalten bereits, wenn man nervös 30 Minuten auf jemanden wartet, weil man sich zum ersten Dat verabredet hat? Sind all diejenigen abnormal, die hektisch ein paar Einkäufe in der Innenstadt erledigen, weil sie sich mit der Zeit vertan haben?

Offenbar sind bereits Personen auffällig, wenn sie auf dem Boden sitzen, oder zu lange sich in einem Flughafengebäude aufhalten. Ähnliches dürfte dann jeder verdächtig sein, der an Bahnhöfen sich zu lange aufhält. Verdächtig, abnormal können auch bereits diejenigen sein, die Rennen, wo die Masse nur am Gehen ist.

Und es geht noch weiter. Bei INDECT sollen bereits als straffällig bekannte Personen selbstständig von einer Drohne überwacht werden. Da kann man auch gleich den Judenstern wieder verteilen. Ähnliche Situation und ähnliche Stigmatisierung. Auch hat dies dann zur Folge, dass Menschen, bei denen es im Leben anders gelaufen ist und sie eine Straftat begangen haben präventiv aus dem öffentlichen Raum ausgeschlossen, da sie von einer Drohne verfolgt werden und für jeden gut sichtbar als abnorm, sonderbar und potenziell gefährlich wahrgenommen werden können. Sie sind dann diejenigen, die rein präventiv aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden und somit eine Parallelgesellschaft bilden könnten.

Prävention scheint besonders wichtig zu sein bei INDECT. Denn bereits vor einer möglichen Straftat sollen die Computersysteme Alarm schlagen. Die Polizei soll live Personen bewachen und verfolgen dürfen. Um die Perversion zu finden, braucht man nur wahrnehmen, dass auch nicht mehr von Personen die Rede ist, sondern von Subjekten und Objekten die Rede ist. Sie sollen im öffentlichen Raum mit Drohnen verfolgt und lückenlos überwacht werden.

Die Computersysteme sollen so programmiert werden, dass sie durch die Beobachtung eines belebten Platzes selbstständig lernen können, was normal ist und was nicht. Zusätzlich können die Programmierer festlegen, was normal ist und was nicht.

Der Schlüssel liegt aber in der Vernetzung. Ohne diese bringen die einzelnen Systeme kaum etwas. Jedes einzelne ist vergleichsweise harmlos. Miteinander stark vernetzt hingegen, kann eine lückenlose Überwachung gewährleistet werden.

Sicherheit? Die wird ganz teuer erkauft. Jeder wird plötzlich verdächtig, oder kann es innerhalb weniger Sekunden werden. Einmal nicht aufgepasst und nicht darauf geachtet normal zu sein, schon wissen die Behörden, wer man ist, was man so bisher gemacht hat und bekommen die Einschätzung intelligenter Computer, wie hoch die Gefahr ist, dass man etwas schlimmes im Schilde führe. Es dürfte dann auch ein leichtes sein, dass schnell überprüft wird, was man so in letzter Zeit gekauft hat. Einen herkömmlichen Reiniger für den Fußboden und ein paar Mittelchen gegen Unkraut aus dem Supermarkt? Da könnte sich eine Bombe draus bauen lassen. Eine vorläufige Festnahme dürfte dann gewiss sein. Minority Report dürfte dann real werden. Eine Gesellschaft in der nahen Zukunft verhaftet Personen in der Gegenwart, die in der Zukunft eine Straftat begangen haben. Prävention in Perfektion.

Überall auf der Welt, wo ein totalitäres Regime seine Bürger erniedrigt und unterdrückt, da ist z.B. die Bundesregierung, die ganz schnell diese Zustände anmahnt und dahingehend appelliert, dass in den jeweiligen Ländern die Menschenwürde ganz schnell an oberster Stelle stehen muss. INDECT entlarvt sie alle. Denn Menschenwürde und eine intakte Gesellschaft nur im Munde zu haben reicht nicht, wenn man es auch nicht umzusetzen vermag. Sicherheit wird hier mit Angst vor falschem Verhalten erreicht. Wer sich anders verhält, ist abnormal und muss mit der Macht des Staates rechnen. Gerade in unserem Land sollte jeder wissen, das Systeme, die eine lückenlose Überwachung und das Erreichen von gewünschtem Verhalten durch Angst und Einschüchterung sich nicht mehr lange halten können. Wenn der Staat zum Feinde wird, ist es an der Zeit dass er durch einen Staat ersetzt wird, der die Würde des Menschen hoch hält, die Freiheit begrüßt und keinen Platz lässt, um Ausgrenzung, Vorverurteilung und Angst vorzubeugen. Es ist die Aufgabe eines Staates seine Bürger zu beschützen, ohne ihnen Freiheit und Würde zu nehmen. Und dies bedingungslos.

Die Gefahr von außen ist nahezu bedeutungslos im Angesicht der Bedrohung von denen, die den Bürger eigentlich beschützen sollten.

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Autor: Jens Lehmann

Hallo, ich bin Jens und der Gründer des Freizeichens und betreibe das Blog bereits seit 2010. Ich habe eine Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen und seit 2009 bin ich Student der technischen Redaktion und seit 2011 des Informationsmanagement an der Hochschule Hannover. Ihr könnt mich auch bei Twitter, Google+ und Facebook finden.

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