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Ricarda Riechert

Interview: Im Gespräch mit Ricarda Riechert www.stereopoly.de

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Nach einer längeren Pause von ca. 4 Monaten wollte ich den Interview-Bereich hier im Blog wieder einmal beleben. Ich habe große Freude daran, anderen Fragen zu stellen, um so etwas mehr über diejenigen erfährt, deren Blogs man täglich liest und sich auf wenige Themen spezialisiert haben.

Für heute habe ich ein sehr interessantes und ziemlich ausführliches Interview für euch. Ich habe Ricarda Riechert ran bekommen und hatte so die Gelegenheit sie etwas zu ihrer Person und Motivation, sowie zu ihrer Meinung zu einigen Tech-Themen zu befragen. Eine der wenigen Frauen in der deutschen Technik-Szene spricht über ihre Erfahrungen mit dem Bloggen, Selbstständigkeit und ihre Sicht auf die Dinge.

Hallo Ricarda, ich freue mich sehr, dass du so spontan zugesagt hast und vor allem die Leser einige Fragen beantwortet möchtest. Für diejenigen, die dich nicht kennen, stelle dich doch bitte kurz vor.

Hallo Jens, danke dass du mir die Möglichkeit zu diesem kleinen Interview gegeben hast. Mein Name ist Ricarda, ich bin 28 Jahre alt und komme ursprünglich aus Soest in Westfalen. Ich bin seit einigen Jahren Bloggerin und verdiene seit zwei Jahren mein Geld damit. Ich habe den radikalen Schritt gewagt, mich selbstständig zu machen und vom Bloggen zu leben. Neben meinen Projekten, die zu meinem alltäglichen Job gehören, leite und betreue ich auch ein Gaming-Blog und veröffentliche Game-Videos auf YouTube.

Eines deiner Hobbys ist die Fotografie. Ist das auch ein Ausgleich vom digitalen Leben, das du ja bedingt durch deine vielen Artikel intensiv betreibst?

Fotografie ist und war schon immer eine Leidenschaft. Als Kind habe ich zum Unmut meiner Eltern die teuren Polaroid-Kassetten immer an einem Nachmittag verknipst. Mich faszinierte es, dass man Momente und Erinnerungen festhalten konnte. Damals in der Schule belegte ich als einziges Mädchen einen analogen Fotografiekurs und obwohl ich keinerlei Vorkenntnisse hatte, schloss ich ihn sowohl in der Bildgestaltung als auch in der Fotoentwicklung als Beste ab. Fotografie ist für mich auf jeden Fall eine Möglichkeit mich zu sammeln. Gerade beim Techblogging ist man einem permanenten Informationsrauschen ausgesetzt. Man wird mit so vielen Nachrichten gleichzeitig bombardiert, dass man am Ende des Arbeitstages gar nicht weiß, wo einem der Kopf steht. Wenn ich dann mit meiner Kamera unterwegs bin, ist das alles fern. Da bin nur ich und meine Kamera und ich bin lediglich die Beobachterin und halte Momente fest. Selbst wenn einige Bilder dann am Ende nichts werden, bin ich nach einer Fototour wieder gesammelt und zufrieden. Es ist definitiv der Gegenpol zu meiner Arbeit.

Du bist seit einiger Zeit bei Stereopoly als Autorin unterwegs und schreibst dort viel über Tech (Smartphones, Tablet, Gadgets usw.). Wie bist du überhaupt in die Tech-Szene reingerutscht?

Gebloggt habe ich schon bereits vorher, allerdings privat. Das mache ich auch immer noch. Egal wie viel Zeit man mit beruflichem Bloggen verbringt, man sollte nie seine Wurzeln vergessen. Über das Bloggen habe ich dann Sascha (GillyBerlin) kennengelernt, der bereits in der Techbloggerszene unterwegs war. Uns verband neben der gleichen Art von Humor vor allem die große Liebe zu Katzen, wenn so was nicht verbindet, dann weiß ich auch nicht. Ambitionen im Techblogging Fuß zu fassen hatte ich schon immer, aber mir fehlte das “Wie”. Durch seine Empfehlung und Hilfe habe ich dann den ersten Job bekommen und mich gleichzeitig auch selbstständig gemacht. Er ist seit dem nicht nur ein sehr guter Freund geworden sondern auch eine Art Mentor, an den ich mich wenden kann, wenn ich Fragen habe

Was ist für dich die Faszination von Technik im Allgemeinen und mobilen Endgeräten im Speziellen und was treibt dich an, um dich so intensiv damit auseinander zu setzen und darüber zu schreiben?

Es ist die Leidenschaft für dieses Thema. Das Interesse daran, zu sehen, wie sich unsere Technologien weiterentwickeln und mein Wunsch diese Entwicklungen alle verstehen zu wollen. Für mich war Technik immer mehr als nur ein Randaspekt unseres Lebens. Technik bestimmt und verändert unser Leben. Neue Technologien schaffen neue soziale Verhaltensmuster, ermöglichen neue soziale Strukturen. Stellen wir uns einmal unsere Welt heute ohne Internet vor. Ohne die Möglichkeit, mit Milliarden Menschen gleichzeitig vernetzt zu sein und sich immer zu jedem Thema austauschen zu können. Das Internet hat so vieles möglich gemacht, dass man es kaum als Randthema sehen kann, sondern als wichtigen und festen Bestandteil unserer Gesellschaft. Mich interessieren nicht nur die reinen technischen Daten, sondern vor allem der Kontext. Wenn beispielsweise ein Smartphone eine neue Funktion mit sich bringt, frage ich mich direkt, welchen Mehrwert sie für den Nutzer haben kann und wie sie sein Leben bereichern kann. Ich entwickle im Kopf Szenarien, in denen sie von Vorteil sein kann und bewerte anhand dessen das Gerät. Es ist der Wunsch alle begreifen zu wollen, der mich antreibt, mich mit dem Thema auseinander zu setzen. die Technik ist unsere Zukunft.

Seit kurzem verstärkst du das Team bei neuerdings.com. Auch da ist Technik dein Thema. Wie bist du denn zu neuerdings überhaupt hingekommen? Hast du dich aktiv darum gekümmert, oder bist du jemanden Aufgefallen?

Ich kenne Jan schon seit 2011. Wir haben uns damals auf dem Wordcamp in Köln kennengelernt und daraufhin lockeren Kontakt gehalten. Ich kannte seine Arbeit bei t3n und auch später bei neuerdings. Wir folgten uns auf den sozialen Kanälen und er fragte mich dann ob ich Interesse hätte, auch für neuerdings zu schreiben. Da mir nicht nur die Seite selbst, sondern auch Jan und Jürgen sehr sympathisch sind, musste ich nicht lange nachdenken und habe zugesagt. Schreiberisch sind beide für mich auch in der Vergangenheit schon Vorbilder gewesen und ich habe einen Großteil ihrer Artikel gelesen, um auch für mich Dinge zu lernen. Für mich ist neuerdings eine neue Herausforderung, die mir sehr viel Spaß macht und bei der ich sehr viel lernen kann und ich bin glücklich, dass ich diese Chance bekommen habe.

Als Frau in der Tech-Szene bist du nicht die Norm. Die männlichen Kollegen sind dir ja zahlenmäßig überlegen. Was glaubst du könnte einer der Gründe sein, warum so wenige Frauen sich für diesen Bereich interessieren bzw. nicht darüber berichten? Langweilig ist es ja keinesfalls.

Die Frage stelle ich mir tatsächlich selbst des Öfteren. Technik ist unglaublich interessant und ich verstehe häufig nicht, wieso sich nicht mehr Leute damit auseinandersetzen wollen. Ich vermute, dass das gesellschaftliche Gründe hat. Als ich jung war, habe ich bei meinen Freundinnen gesehen, dass die Eltern immer sehr großen Wert darauf legten, Interessen dem Geschlecht nach zu fördern. Die Mädchen in meiner Klasse gingen zum Reiten, zum Ballett, zum Tanzen, die Jungs besuchten Computerkurse, spielten Fußball und trafen sich nachmittags zum PC-Spielen. Es ist nicht so, dass es nicht auch durchaus Freundinnen gab, die auch Interesse an Technik gehabt hätten, aber das wurde schlichtweg nicht gefördert.

Bei mir Zuhause war das glücklicherweise anders. Wenn ich mir etwas wünschte, das vielleicht nicht den typischen Mädcheninteressen entsprach, dann hat das niemand hinterfragt. So bekam ich mit vier einen eigenen Werkzeugkasten, später ein Mikroskop und ein Teleskop. Ich bekam dazu noch unheimlich viele naturwissenschaftliche Bücher und in der Grundschule einen dieser sprechenden Lerncomputer. Das war für mich ganz normal und ich habe nie hinterfragt, ob das nun mädchenuntypisch sei oder nicht. Mein Vater war damals schon sehr technikaffin. Als ich in der dritten Klasse war, hatte er eines dieser neuartigen und riesigen Handys, das er an seinem Gürtel trug. Damit war ich in der Grundschule bei den Jungs schon einmal das Mädchen mit dem “coolen Vater”. Das setzte sich bei mir fort und ich beschäftigte mich weiter mit Technik. Ich baute meine Computer selbst zusammen, richtete sie auch selbst ein, brachte mir das Erstellen und Gestalten von Webseiten anhand von Tutorials im Netz bei und befasste mich mit allem was mich interessierte.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es für diese Wandlung nicht nur das Grundinteresse braucht, sondern auch das Wissen, dass man nichts Geschlechtsuntypisches macht, sondern dass Interessen keinem Geschlecht zugeordnet werden sollten. Leider ist unsere Gesellschaft noch nicht so weit. Ich beobachte immer noch, dass Mädchen eher von Technik ferngehalten werden, während es bei Jungs selbstverständlich ist. Ich glaube aber durch die Überpräsents des Internets wird sich das für die jetzt kommende Generation ändern. Sollte ich einmal eine Tochter haben, werde ich sie jedenfalls in allen ihren Interessen unterstützen, egal ob nun “mädchentypisch” oder nicht.

Glaubst du, als Frau über Tech-Themen zu berichten verschafft dir eine größere Aufmerksamkeit, weil du auf weiter Flur fast allein bist?

Die Frage höre ich tatsächlich häufiger. Meist ist sie aber eher als Aussage verpackt, dass meine Erfolge nur damit zusammenhängen würden, dass ich eine Frau sei und “einer Frau ja alles zufliegen würde”. Es stimmt, dass es einfacher ist, bei den Leuten im Gedächtnis zu bleiben, wenn man in einem Bereich tätig ist, der von Männern dominiert wird. Das macht es aber nicht unbedingt einfacher. Ich erinnere mich an einen meiner ersten Kommentare bei Stereopoly, kurz nachdem ich dort begann. Er lautete “Du siehst zwar süß aus, aber von Technik hast du keine Ahnung.” Und auch heute noch bekomme ich Kommentare, die Frauen eher in die Technik-Dummchen-Schiene einordnen und mir aufgrund meines Geschlechts meine Kenntnisse absprechen. Man erreicht vielleicht mehr Leser, wenn man heraussticht, aber man muss sich doppelt beweisen.

Man muss nicht nur als Redakteur beweisen, dass man sich mit der Materie auseinandergesetzt hat, sondern man muss sich vor allem als Frau beweisen, dass man in der Lage ist, technische Zusammenhänge zu verstehen.  Da man als Frau allerdings im Alltag recht häufig Situationen wie diesen ausgesetzt ist, stört es mich nicht. Männer erleben das gleiche auch bei typischen Frauenthemen. Frauen bekommen in männerdominierten Gebieten also mehr Aufmerksamkeit, müssen sich aber auch härter beweisen und sich den ein oder anderen Macho-Spruch anhören. Dann heißt es: Zähne zusammenbeißen und drüberstehen.

Android und iOS dominieren den Markt für mobile Endgeräte. Windows Phone und Windows 8 / RT, sowie BlackBerry sind auch noch dabei, aber weiter hinter den beiden Großen. Firefox OS könnte ein großes Ding werden. Wie schätzt du derzeit die Situation ein? Wird Firefox OS das neue Android?

So sehr ich die Idee hinter Firefox OS mag, aber ich glaube nicht, dass es das Potential zum neuen Android hat. Das größte Argument hier ist die Tatsache, dass es Android noch gibt, und dies entweder verschwinden oder stark nachlassen müsste, damit Firefox OS einen Mehrwert darstellen würde. Natürlich befindet sich Firefox OS noch in der Entwicklungsphase und es kann sicherlich noch einiges passieren, aber die Konkurrenz schläft nicht und ist Firefox einige Schritte voraus. zudem darf man auch nicht vergessen, dass noch andere kleine Systeme auf den Markt drängen. Von allen alternativen setze ich momentan die größte Hoffnung in Ubuntu for Smartphones und Tablets. Man merkt, dass dort mit Hochdruck gearbeitet wird und man merkt, dort passiert etwas. Ich richte mein persönliches Augenmerk also eher in die Richtung als nach Firefox OS.

Spannend ist Entwicklung von Samsung und Tizen zu beobachten. In diesem Jahr soll noch ein Gerät mit diesem OS auf den Markt kommen. Wird Samsung sich dahingehend entwickeln, dass es bald Android überhaupt nicht mehr benötigt, sondern lieber sein eigenes OS auf Samsung-Smartphones vermarktet?

Wenn Samsung Android fallen lassen würde, wären sie mit Verlaub gesagt, ziemlich dumm. Und das wissen sie auch, denn schaut man ein paar Jährchen zurück, war Samsung vor Android eher eine Firma, die unter “Ferner liefen” gehandelt wurde. Mit, durch und dank Android erlebten sie einen unglaublichen Boom und wurden der größte Hersteller für Android-Smartphones. Das haben sie nicht zuletzt auch ihrer wichtigen Rolle als Nexus-Hersteller zu verdanken. Einen ähnlichen Boom erlebt übrigens auch LG gerade. Es ist ja nicht so, als habe Samsung nicht bereits einmal versucht ein eigenes System auf Smartphones zu vermarkten. Noch 2011 habe ich mir die damals aktuelle Bada-Reihe ansehen können und von meinem Standpunkt war sie auch nicht schlecht, aber wenn Leute sich heute ein Smartphone kaufen, dann ist die erste Frage immer “Android oder iPhone?” Windows Phone wird eher zögerlich erwähnt, aber meist tendieren unentschlossene zu den ersten beiden Möglichkeiten. Und wenn sie sich dann für Android entscheiden, ist die nächste Frage “Welcher Hersteller?”. Ein kleines, alternatives System scheitert also schon bei dem ersten Gedanken, den sich Kunden vor dem Kauf stellen. Sollte Samsung sich jemals von Android lösen wollen, dann können sie das nur wenn sie eine ähnlich gute Infrastruktur bereitstellen wie Google es für Android macht. Das wird schwer, wenn nicht sogar unmöglich.

Als eines der heißesten Geräte wird Googles Datenbrille Google Glass gehandelt. In diesem Jahr soll sie bereits auf den Markt kommen. Wie ist deine Meinung zu diesem neuen Gerät und würdest du dir eine holen?

Ich finde Google Glass durchaus interessant, glaube aber nicht daran, dass sie zu einem Mainstream-Produkt mutiert. Die Idee hinter Google Glass ist spannend, ohne Frage, aber vor allem in Deutschland dürften wir mit einigem Widerstand rechnen. Ein Land dessen Bürger verbieten lassen, dass man ihre Häuser fotografiert, wird spätestens nach dem ersten Skandal-Artikel der Bildzeitung auch einen Empörungssturm gegen Google Glass starten. Ich persönlich würde mir so ein Gerät als Gadget anschaffen, zum Herumspielen, aber ich denke nicht, dass es wirklich produktiv genutzt werden kann. Ich lasse mich allerdings gern vom Gegenteil überzeugen.

Im Mai steht noch die Google I/O an, für die wieder eine atemberaubende Show erwartet wird, wie sie im letzten Jahr vorgestellt wurde. Was erwartest du, wird Google in der ersten Keynote vorstellen? Nexus 5, einen Nachfolger des Nexus Q, oder ein neues Nexus 7?

Das ist tatsächlich eine gute Frage. Ich würde mich abseits der Smartphones und Tablets über neue Gerätegruppen freuen. Das Nexus Q war ja in Schritt dorthin, der sich leider nicht wirklich ausgezahlt hat. Ein neues Tablet halte ich für wahrscheinlich, sollte es allerdings nicht kommen, wäre ich nicht enttäuscht. Es werden jede Woche so viele neue Geräte vorgestellt, dass die freudige Spannung auf neue Devices bei mir sehr stark abgeflaut ist. Ich schaue bei der I/O wie auch im letzten Jahr auf die Entwicklung von Chrome, den Chromebooks und Android generell.

Wie ist deine Aussicht für die Zukunft von Smartphones und Tablets? Wird es diese bald nicht mehr geben, weil sie durch ähnliche Geräte wie Google Glass ersetzt werden?

Ich glaube nicht, dass sie komplett ersetzt werden, aber ich denke, dass wir bald mit mehr Produktgruppen rechnen müssen, die Smartphonefunktionen mit sich bringen. Ich denke eher, dass die Entwicklung zu einer Kombination aller Geräte führen wird. Ansätze sehen wir jetzt bereits bei Smartphones in Tabletgröße und bei Tablets in großer Smartphonegröße. Diese Grenzen werden verschwimmen und auch Netbooks werden dank Tastaturendocks obsolet werden. Was danach folgt, kann und will ich gar nicht voraussehen, aber bei der schnellen Entwicklung werden wir es in 2-3 Jahren selbst sehen.

Als Bloggerin kennst du dich in der deutschen Bloggerlandschaft ja aus. Immer wieder wird über den großen Teich in die USA geblickt, in der Blogger einen ganz anderen, oftmals besseren Status haben. In Deutschland behindern sich Blogger durch Konkurrenzdenken gegenseitig, oder sind sehr knauserig mit Verlinkungen (Stichwort Linkgeiz). Dabei könnten eigentlich weitaus mehr miteinander machen. Hast du eine Vermutung, wieso das so ist?

Bei Bloggern ist es wie bei Kaninchenzüchtern, zwar haben sie alle das gleiche Hobby / die gleichen Interessen, aber wenn sie vor der Jury stehen, wollen sie alle das beste Kaninchen haben. Blogger haben in den USA gesellschaftlich bereits einen anderen und besseren Status. Da sind sie uns voraus. Wenn man also generell Anerkennung für etwas bekommt, lebt es sich gleich etwas entspannter. Und damit meine ich gar nicht den Stand bei der Presse, denn die Presse bedient ja in dem Fall die gleiche Zielgruppe wie die Blogger. Für einen Blogger sollte also nicht die Anerkennung der Presse, sondern die der Leser wichtig sein. In Deutschland hingegen ist man als Blogger noch ein Sonderling. “Damit kann man Geld verdienen?” – eine Frage, die jedem Blogger bekannt vorkommen sollte.  Um aus diesem Sonderlingsstatus herauszukommen ist es nötig sich durchzubeissen und aufzufallen. Das sind alles Eigenschaften, die eher Leuten liegen, die Einzelkämpfer sind. Und Einzelkämpfer sind selten gute Teamplayer. Als Blogger vermarktet man nicht nur sein Blog, sondern auch sich selbst. Jeder Blogger, der erfolgreich sein will, muss auch Selbstdarsteller sein. Wir dürfen uns nichts vormachen, beim Techblogging geht es um Geld und bei Geld hört bei vielen die Freundschaft auf und selten arbeiten Blogger mit anderen zusammen, weil sie damit ja auch ihr eigenes Produkt schmälern könnten. Aber das heißt nicht, dass es grundsätzlich so ist. Es gibt in der Bloggerszene durchaus Teamplayer, die jede Quelle verlinken und auch zusammenarbeiten und kooperieren. Ich denke die Frage ist, wieso jemand bloggt. Hat er angefangen zu bloggen, um Geld zu verdienen, dann wird er den Team- und Communitygedanken des Bloggens nicht kennen und nicht verstehen. Hat er aber schon vorher gebloggt und später damit Geld verdient, dann kennt auch die Welt hinter den Blogs – die Blogosphäre und die Wichtigkeit sich ein Netzwerk zu schaffen. Ich selbst befasse mich mit diesen Einzelkämpfern nicht, sondern pflege mein Netzwerk. Das ist mir sehr wichtig, weil ich selbst noch viel lernen muss und das kann ich nur, wenn ich mich mit Leuten umgebe, die sich selbst mit dem Thema intensiv befassen.

Auch das Verhältnis zwischen klassischen Journalisten und Bloggern bzw. Online-Journalisten ist hierzulande nicht das allerbeste. Oftmals werden Blogger, auch Reichweitenstarke Blogger von der Presse belächelt. Fehlt den deutschen Bloggern eine Art Gewerkschaft, um mit einer Stimme zu sprechen, oder sind Blogger (bis auf einige Ausnahmen) einfach nicht fähig sich so weit zu professionalisieren, um auch außerhalb des Internets ernstgenommen zu werden?

Blogger und Presse, ja diese Konflikte gibt es schon seit Menschengedenken oder zumindest seit es Blogger gibt. Die Presse belächelt die Blogger, weil sie so chaotisch sind und nicht nach den klassischen Regeln des Journalismus arbeiten. Im Gegenzug belächeln die Blogger die Journalisten, weil sie in ihrem sehr festgefahrenen Schema stecken und keine Experimente wagen und sich an das klammern, was ihnen beigebracht wurde. Gleichzeitig gibt es aber auch Blogger, die hochprofessionell arbeiten, weil sie Journalismus studiert haben, sich selbst aber eher als Blogger sehen und nicht als klassischen Journalisten. Uns verbindet alle eines und das ist das ist die Leidenschaft fürs Schreiben, aber immer dann wenn Leidenschaft (und Geld) im Spiel ist, dann kommt Neid und Missmut auf. Ich persönlich habe nichts gegen klassische Journalisten, mag es aber nicht wenn ich aufgrund meines Bloggerstandes minderwertig behandelt werde. Das habe ich auch schon erlebt und das bringt der Job mit sich. Eine Bloggergewerkschaft brauchen wir nicht und sie würde auch nie funktionieren. Man kann eine Gruppe von Selbstdarstellern (und das meine ich in keinem Fall negativ) dazu bringen ihre eigenen Interessen nach hinten zu stellen, um sich für das Große und Ganze einzusetzen. Das wurde in den vergangenen Jahren mehrfach probiert und scheiterte jedes Mal. Der Begriff “Bloggergewerkschaft” ist mittlerweile ein Running Gag geworden. Blogger müssen sich nicht professionalisieren, um mit den klassischen Medien mitzuhalten. Wäre das Konzept der klassischen Medien so unfehlbar, hätte es ni einen Platz gegeben, in dem sich Blogger hätten etablieren können. Blogger sollten das tun, worauf, sie stolz sein können: Das schreiben, was sie denken, ohne Angst haben zu müssen, dass ihre Meinung wegzensiert, gekürzt oder umgeschrieben wird.

Lohnt es sich deiner Ansicht nach, noch mit dem Bloggen anzufangen und was würdest du Neulingen empfehlen?

Bloggen lohnt sich immer. Ich habe schon viele Neulinge auf ihren Weg ins Bloggen begleitet und einige Tipps gegeben. Man sollte nicht wegen des Geldes oder der Anerkennung schreiben, sondern wegen des Schreibens. Ansonsten resigniert man schnell, wenn es nicht so funktioniert, wie man es geplant hat. Das Schreiben sollte der Antrieb sein – die Motivation. Nicht die Bezahlung. Viele Blogger, die neu anfangen verzweifeln nach den ersten Wochen, weil ihre Artikel nicht so oft gelesen werden. Das liegt meist nicht an schlechten Texten, sondern an der fehlenden Reichweite. Baut euch neben. Man muss sich neben dem Bloggen auch in Netzwerken herumtreiben, seine Person ins Gespräch bringen und den Leuten als Mensch im Gedächtnis bleiben. Dann werden die Artikel auch gelesen, weil es die Leute interessiert, was man zu sagen hat. Das ist viel Arbeit, erforder viel Geduld und viele Opfer, aber wer wirklich Blogger sein will, nimmt das gern in Kauf.

Ricarda, wir sind soweit durch. Ich danke dir vielmals für deine Teilnahme und die Beantwortung meiner Fragen.

Ich habe zu danken. Ich freue mich, dass du mir die Möglichkeit gegeben hast.

Ricarda Riechert im Netz

Quellen und Verweise

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Quellen und Verweise

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Autor: Jens Lehmann

Hallo, ich bin Jens und der Gründer des Freizeichens und betreibe das Blog bereits seit 2010. Ich habe eine Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen und seit 2009 bin ich Student der technischen Redaktion und seit 2011 des Informationsmanagement an der Hochschule Hannover. Ihr könnt mich auch bei Twitter, Google+ und Facebook finden.

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2 Kommentare

  1. Tolles Interview, vielen Dank für die Eindrücke.

  2. Pingback: 14. Blick nach hinten / Top-Ten Artikel der Woche | FREIZEICHEN

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