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Yvonne Pföhler

[Interview] Im Gespräch mit Yvonne Pföhler (Entwicklerin)

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Yvonne gehört zu den wenigen Frauen, die Apps entwickeln. Die stolze Mutter ist leidenschaftliche Peugeot-Fahrerin und hat eine App für ihre Leidenschaft programmiert und im Android Market bereit gestellt.

Mit der App Peugeot ORGA-Rechner hat sie eine Anwendung geschrieben, mit der man auf den Tag genau ermitteln kann, wann ein Peugeot-Fahrzeug vom Band lief.

Ich habe mir ihre App einmal angesehen und fand es spannend, ihr einige Fragen über den Weg zur fertigen App und Android im Allgemeinen zu stellen. Alle bisherigen Interviews findet ihr in dieser Übersicht. Was Yvonne mir über ihre App erzählt hat und wie sie über Android denkt erfahrt ihr in diesem Interview.

Hallo Yvonne, es freut mich sehr, dich für mein Blogprojekt deutsche Android-Blogger und –Entwickler gewonnen zu haben. Bitte stelle dich doch einmal den Lesern vor.

Ich heiße Yvonne, bin 28 Jahre alt und gelernte Fachinformatikerin Anwendungsentwicklung. Ich arbeite für eine kleine Consultingfirma und programmiere dort Anpassungen für ein ERP System. Privat arbeite ich an meinen eigenen Websites oder an Websites von Freunden und Bekannten. Seit kurzem versuche ich mich auch in der App-Entwicklung. Wenn ich nicht vor dem PC sitze, sitze ich in meinem Peugeot und treffe mich mit Freunden und dem Peugeot Club.
Soweit mein Leben vor 2012 … seit Januar bin ich in erster Linie stolze Mutter :)

Du hast 4 Semester Informatik an der Universität Würzburg studiert und eine Ausbildung zur Fachinformatikerin im Bereich der Anwendungsentwicklung gemacht. Haben dich diese beiden Ausbildungen an das Thema App-Entwicklung herangeführt?

Nicht direkt. Ich habe in dieser Zeit zwar Java gelernt, aber an die App-Entwicklung habe ich zu dieser Zeit noch nicht gedacht. Beruflich programmiere ich Anpassungen für ein ERP System. Die Programmierung von Apps ist eher privates Interesse.

Deine App Peugeot ORGA-Rechner ist eher eine spezialisierte App, die nicht auf die Masse zielt. Mit deinem ORGA-Rechner kann man genau feststellen, an welchem Tag ein Peugeot- oder Citroën Fahrzeug produziert wurde. Wie kamst du auf die Idee, so eine App zu entwickeln?

Ich bin selbst passionierte Peugeotfahrerin und bin irgendwann einmal im Internet auf eine Seite gestoßen, wo man anhand der sog. ORGA-Nummer das Produktionsdatum und den Produktionsort feststellen konnte. Das fand ich toll, aber irgendwie unpraktisch, da das Auto ja draußen steht und der PC drinnen. Da ich bis dato noch nie eine mobile App entwickelt hatte, nutzte ich diese Idee als einfachen Einstieg in die App-Entwicklung. Zunächst nur für mich. Später dachte ich mir, wieso nicht in den Market hochladen und anderen zur Verfügung stellen, die Interesse daran haben.

Wenn du einmal an die Zeit zurück denkst, als du deine ORGA-App geplant und programmiert hast, wie lange hast du für die einzelnen Schritte (Planung, Programmierung und Optimierung) benötigt?

Das weiß ich gar nicht mehr genau. Da ich mich ja gleichzeitig überhaupt das erste mal in das Thema App-Entwicklung eingearbeitet habe, war der Übergang von Planung zu Programmierung fließend. Learning by doing. Ich glaube es waren in etwa drei Feierabende. Für die Optimierung habe ich dann nochmal ca. einen Tag gebraucht.

Mit welchen Problemen warst du bei der Entwicklung konfrontiert?

Einige Funktionen waren nicht so einfach umzusetzen wie ich mir das vorgestellt hatte, z.B. sollte beim Klick auf die E-Mail Adresse direkt das E-Mail Programm gestartet werden. Ich hatte zwar schnell raus, wie die E-Mail Adresse als Link angezeigt und anklickbar wird, aber beim Anklicken stürzte die App immer ab. Auf die Schnelle konnte ich leider nicht herausfinden woran das lag und wie es richtig funktioniert. Daher habe ich mich dann doch entschlossen einfach einen Button dafür einzufügen. Das größte Problem ist noch immer, dass ich noch ganz am Anfang der App-Programmierung stehe und vieles noch nachlesen und ausprobieren muss.

Wenn man ein Projekt anfängt, überlegt man sich, wer zu der Zielgruppe gehört, die man ansprechen möchte. Wie hast du dir deine Zielgruppe vorgestellt und wie sieht der typische Nutzer deiner App in deiner Vorstellung aus?

Zur Zielgruppe zählen Peugeotfahrer, die mehr über ihr Auto wissen wollen. Eigentlich schon eher Freaks wie ich, die sogar ins Auto steigen und einfach mal zur Geburtsstätte fahren.

Gibt es bei dir auch schon Pläne, weitere Android-Apps zu entwickeln?

Ich möchte auf jeden Fall weitere Android Apps entwickeln. Es macht mir Spaß Ideen zu verwirklichen, Neues auszuprobieren und meine Programmierkenntnisse auszubauen. Man lernt ja nie aus. Konkrete Ideen habe ich aber noch nicht da ich mich nun erst einmal im Mutter-Sein üben darf.

Wie ich auf deiner Webseite gelesen habe, bist du ebenfalls an der Programmierung der Peugeot-Club-Websites in Mannheim und von speedlionz (ebenfalls eine Peugeot-Fan-Seite) beteiligt gewesen. Waren die Leute dort deine Tester deiner ORGA-App?

Nein, aber ich habe die App nach der Fertigstellung im Forum des pug-clubs, in dem ich selbst Mitglied bin, vorgestellt.

Deine App gibt es ausschließlich für Android. Wieso hast du dich für Android und nicht für Apples iOS entschieden?

Dafür gibt es verschiedene Gründe. Zum einen besitze ich selbst ein Android Smartphone und bin kein Freund von Apple, zum anderen kann man bei der Entwicklung einer Android App unabhängig vom Market die App zum Testen einfach auf das Smartphone laden und testen. Wenn man sich dazu entschieden hat, die App der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen, zahlt man einmalig $25 für die Registrierung im Android Market. Bei Apple muss man jährlich eine Entwicklergebühr von $99 zahlen und anschließend ist noch nicht einmal sicher, dass die App im App Store aufgenommen wird, da zunächst eine Prüfung durch Apple durchgeführt wird. Außerdem kann ich Android Apps ganz einfach mit den Mitteln entwickeln, die ich bereits zur Hand habe. Java lässt sich auf allen Plattformen entwickeln. Apps für iOS muss man auf einem Mac entwickeln, da das iOS SDK und die Entwicklungsumgebung nur auf einem Mac laufen.

Welche großen Stärken und Schwächen siehst du in Android und was glaubst du, werden uns die nächsten Jahre bringen?

Android ist im Gegensatz zu iOS auf Geräten verschiedener Hersteller im Einsatz. Der Handynutzer kann somit das für ihn passende Gerät auswählen und je nach Geldbeutel und Nutzungsverhalten zu einem günstigen oder besonders hochwertigen Gerät greifen. Die Entwicklung von Android Apps ist nicht sonderlich kompliziert und bringt für den Entwickler keine laufenden Kosten mit sich, was denke ich dazu beitragen wird, dass stetig eine Vielzahl von neuen Apps folgen wird. Dass die Apps vor der Vermarktung nicht wie bei Apple kontrolliert werden, könnte für den Nutzer aber auch zum Nachteil werden, da nicht auszuschließen ist, dass auch die Anzahl der bösartigen Schadsoftware zunimmt. Nichtsdestotrotz denke ich wird dich Android weiter wacker schlagen und mit seinen Apps das tägliche Leben bereichern. Neben einfachen Spielereien könnten uns in den nächsten Jahren Apps ermöglichen, auf dem Weg in den Urlaub noch schnell den Ofen und das Bügeleisen zuhause auszuschalten, den Festplattenrekorder zu programmieren oder morgens im Bett schonmal die Kaffeemaschine einzuschalten.

Google hatte vor kurzem einen Styleguide online gestellt, der Entwicklern beim Erstellen von Apps helfen soll, einheitliche Standards einzuführen. Ist dies für dich ein Thema für deine aktuelle App und die, die evtl. von dir noch kommen werden und wie nützlich findest du diesen Styleguide?

Ich hatte bisher noch keine Zeit mir den Styleguide anzusehen, werde das vor der Entwicklung einer weiteren App aber noch nachholen.

Du bist vor kurzem Mutter geworden (An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch). Wenn dein Kind in einigen Jahren in die Schule kommen wird, werden wir uns im Bereich der mobilen OS um einiges weiterentwickelt haben. Wie stellst du dir das Lernen im Jahr 2020 vor? Werden Schüler ausschließlich mit einem Tablet im Ranzen zur Schule gehen?

Wäre schön, wenn auch noch was zu essen im Ranzen wäre ;) Spaß beiseite, wenn ich daran denke, wie schwer wir damals getragen haben mit den vielen Büchern, dann würde ich es meinem Sohn fast wünschen, dass die Schulbücher als ebooks auf einem Tablet zur Verfügung gestellt werden. Allerdings finde ich es auch wichtig, dass er noch richtig schreiben lernt und nicht nur das 10 Finger System.

Als Frau gehörst du in der Entwickler-Szene einer Minderheit an. Was glaubst du sind die Gründe, warum Frauen in diesem Bereich so unterrepräsentiert sind?

Ich denke vielen Frauen fällt das logische Denken schwer und das technische Verständnis ist nicht so sehr ausgeprägt wie beim Mann. Die Interessen liegen bei Frauen wohl eher darin, schöne Dinge zu gestalten und zu kommunizieren wohingegen die Programmierung ja eher ein trockenes Thema ist. Ich selbst denke bei der Programmierung aber immer an das Ergebnis. Man kann aus ein paar Worten ein Spiel, einen Messenger, eine Eieruhr, ein Fotoalbum und vieles mehr zaubern.

Wenn jemand ebenfalls eine App programmieren möchte und somit noch ganz am Anfang steht, was würdest für Tipps geben? Bücher kaufen, in Foren lesen, nach Entwicklern in der Nähe suchen für persönliche Gespräche, Ratschläge und Tipps?

Sich z.B. eine Beispiel-App ansehen, in Foren lesen und mal einen Blick in die API werfen. Ich denke das Internet bietet schon sehr viel Hilfe. Bücher veralten gerade in diesem Bereich sehr schnell.

Yvonne, ich danke dir sehr für die Beantwortung meiner Fragen.

Autor: Jens Lehmann

Hallo, ich bin Jens und der Gründer des Freizeichens und betreibe das Blog bereits seit 2010. Ich habe eine Ausbildung zum Bürokaufmann abgeschlossen und seit 2009 bin ich Student der technischen Redaktion und seit 2011 des Informationsmanagement an der Hochschule Hannover. Ihr könnt mich auch bei Twitter, Google+ und Facebook finden.

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